Dieses Sortenportrait von Hanna Bliss erschien in der GRASS TIMES, Ausgabe 6, 2003.

Vielen Dank an GRASS TIMES für die Genehmigung diesen Bericht auf unserer Webseite zu veröffentlichen. Alle Rechte Vorbehalten.

Kalichakra

ab 15,- Euro /10 Samen

Galeri 2

 

Die Sativas von Mandala Seeds:

Ein Überblick der neuen Powersorten

Dieser Beitrag ist der Erste einer Serie von speziellen Sortenportraits, die wir auch in den kommenden Ausgaben featuren möchten. Die Idee dahinter ist, mehrere Cannabis Sorten, die in irgendeiner Art miteinander verknüpft sind (zum Beispiel von der gleichen Samenbank stammen oder ein bestimmtes Merkmal teilen), nebeneinander vorzustellen. Wir wünschen unseren LeserInnen viel Spass bei unserer ersten Präsentation, in der wir die neuen Sativa Hybriden aus dem Hause Mandala Seeds auf ihre Stärken und Schwächen für euch getestet haben.

Zum Beginn

In diesem Sortenportrait Spezial habe ich zwei von den insgesamt vier Sorten der Sammleredition (SE) -  "Krystalica" und "Big Bang" -  ausgesucht, um sie euch vorzustellen. "Big Bang" besitzt zwar einen höheren Anteil an indica Gene, aber sie ist vom High und Phänotyp her eine sehr Sativahafte lady.  Aus dem Bereich "am meisten sativa" in dem 4-er Set sollte die "Shang High" nicht unerwähnt bleiben. Sie und "Krystalica" haben unterschiedliche Blütezeiten und sind in ihrem Erscheinungsbild gut voneinander zu trennen. Ich möchte nicht behaupten dass die eine oder andere Sorte "besser" wäre, da sie beide ihre Vor-und-Nachteile besitzen. Wer sich für "Shang High" interessiert sollte den Bericht über ihre Schwester "Satori" lesen. Die Geschwister sind wie ungleiche Zwillinge mit verschiedenen Vorlieben und, dennoch, verbindet sie bestimmte features wie zum Beispiel ihre megastarke, cerebrale Wirkung. Neben "Satori" bieten wir noch einen informativen Schnelldurchlauf für "White Satin" an, um die Einführung abzurunden, und euch die imposanten Fotos zeigen zu können. Einleitend beginnen wir mit der Mutterlinie "Kalichakra" und ihre selbständige, kraftvolle Tochter "Krystalica".

Krystalica und Kalichakra: Kristallklare Sativakraft

Einige wenige erfahrene Grower erhielten die Sorten von Mandala Seeds im Vorfeld, um sie anzubauen und zu beurteilen, bevor die Samen in der breiten Öffentlichkeit ihr Debut feiern. Mit den Ergebnissen, wollten die Züchter objektive Meinungen und Daten zur Weiterverarbeitung im Zuchtprogramm sammeln. Zusätzlich galt es die Sorten in sehr unterschiedlichen Klimaverhältnissen und Anbausystemen zu testen. Zwischen den Testsamen und den Packungen die der Kunde kauft bestand kein Unterschied. Sobald meine Anbauanlage leergefegt war, setzte ich gleich alle Samen aus, um die verschiedenen Pflanzen untereinander und auch die Sorten miteinander zu vergleichen. Erwartungsgemäß wiederspiegelte die gute Keimungsrate die frische Qualität der Samen. Als mir ein Besuch zu der geheimen Produktionsanlage, "die Farm", gewährt wurde, war ich von der strengen Qualitätskontrolle bei Mandala Seeds beeindruckt. Samen, die sonst bei anderen Hersteller noch zum Verkauf weitergeleitet werden, verschwanden bei Mandala Seeds in den Papierkorb. Ich stellte mir vor, wie das wohl aussieht wenn die seltenen Besucher, mit den Köpfen tief in den Papierkörben versunken, nach Verwertbaren wühlen!

"Krystalica" (aus der SAMMLEREDITION) und "Kalichakra" heben sich von allen anderen Sativas, die ich bisher kannte, in einem entscheidenden Merkmal ab -  Sie können das Gleichgewicht zwischen Blütezeit und Ernteertrag beinahe optimal einhalten. Es ist leider so, dass viele Harztriefende Sativas dazu tendieren unter Magersucht zu leiden. Andere wiederum, blühen bis der Schnee kommt. Oder, noch frustrierender ist es, wenn sie auf dem Höhepunkt der Blüte eine Transvestiten-Show abziehen (Thailand – so fern und doch so nahe!). Im Gegensatz dazu, bietet "Krystalica" eine gelungene Verbindung der THC-Werte, des Ertrags und der Anbauzeit -  und das rechnet sich in erhöhter Leistung aus. Wie es in der Branche üblich ist, erfahren Aussenstehende selten die exakte Geneologie einer Hanfsorte. Ich konnte über die Entstehungsgeschichte von "Krystalica" so viel herausbekommen, dass sie eine genetische Partnerschaft zwischen "Kalichakra" (dieser Hybrid enthält die Genetik einer harzigen Cannabissorte aus Kerala, Südindien) und "Satori" ist. Die Mutter wurde unter vielen "Kalichakra" Pflanzen speziel für frühe Blüte ausselektiert bevor die Paarung mit besonders pollenträchtige und aromatische männlichen Pflanzen der "Satori" stattfand. "Kalichakra" stammt aus einer gelungenen feminisierten Sorte die nur weibliche Pflanzen hervorgebracht hat. Die feminisierten Pflanzen bildeten einen stabilen genetischen Grundstein für die nächste Generation ohne jegliche Hermaphroditische Merkmale zu vererben. Somit sind "Kalichakra" und "Krystalica" von diesem störenden Gen, der so manch ein hübsches Blumenfeld ruiniert, bei glücklicherweise unbelastet. In meinem Testfeld konnte ich nicht einmal die sonst üblichen minimal verstreuten kleinen männlichen Blüten finden, die gerne in der letzten Woche der Blüte hier und da ihre Fühler heraustrecken.

Als junge Pflanze wächst "Krystalica" sehr zügig. Sie besitzt einen langen zentralen Hauptstamm mit langen Internodien und meist aufrechten Seitentrieben. Im Boden kann sie einen imponierenden Stammumfang entwickeln, aber trotzdem eine schlanke Figur machen, so dass die Pflanzen enger stehen können. Für den Innenanbau ist diese Art des Wachstums nicht nur platzsparend sondern ermöglicht auch, dass mehr Licht die unteren Blütenstauden erreicht. Je nachdem wie hoch die Pflanzen wachsen, d.h. ob sie früh abgedunkelt werden oder einfach draussen mit dem natürlichen Tageslicht versorgt werden, lohnt es sich die untersten Triebe zu beschneiden. "Krystalica" kann bis zu drei Meter hoch wachsen. Im Durchschnitt erreichen sie im Outdoor-Bereich eine Höhe von ungefähr 2-2,5 Meter. Auch "Kalichakra" strömt erstaunliche Wachstumspower aus. Unter gegebenen Umständen kann hier von einem Hanfbaum die Rede sein! Ich hatte das Glück, lebende Exemplare im Jumboformat, bei meinem Besuch bei Mandala Seeds bestaunen zu dürfen. Wie ein gerader Bambusstab, wächst der zentrale Spross sehr schnell aus dem Substrat, ohne dabei zur Spitze hin schlacksig oder dünn zu werden. Der so gefestigte Hauptspross beliefert alle Pflanzenteile pflichtbewusst mit Nährstoffen im Jumboformat. Hybrid-vigour, wie dieser, erleichtert die Gartenarbeit erheblich und bietet Anfänger einen perfekten Einstieg in die Welt der Sativas. Das kräftige Geäst der "Kalichakra" muss später die Last der Blüten tragen ohne abzuknicken und meistert die Aufgabe entsprechend zuverlässig. Ein prüfender Rundgang zur Hauptzeit der Blüte kann dennoch sinnvoll sein, um sicher zu stellen, dass die schwersten Blütenstauden nicht zu sehr herunterhängen und am Stammansatz vielleicht abbrechen. Etwas Band um die Triebe gewickelt oder ein Stock bieten eine ausreichende Stütze.

Bei Sativa Pflanzen entferne ich normalerweise die untersten 3-4 Triebpaare, damit sie den höher gelegenen Triebe keine Kraft rauben. Ähnlich wie bei "Kalichakra", sind die stärksten Pflanzen der Tochterlinie "Krystalica" enorm robust und vom Boden bis zur Spitze bilden sie aussergewöhnlich dicke Seitentriebe für Sativas. Hier lohnt es sich erst einmal abzuwarten ob eine Beschneidung der untersten Triebe notwendig ist. Generell bevorzuge ich es Hanfpflanzen möglichst ungestört wachsen zu lassen und nicht Eingriffe vorzunehmen, die sich später als unnötig herausstellen. Ein striktes Pflegeprogram für Mutterpflanzen im Hydroanbau ist dennoch sehr wichtig. Hier erreicht die Mutterpflanze so rasch eine unliebsame Höhe, dass sie unbedingt in regelmässigen Abständen beschnitten werden sollte. Das kompensiert sie allerdings mit ihrer Kraft, die für eine lange Ausdauer als Stecklingslieferant sorgt. Ansonsten verhalten sich beide Sorten wie andere vitale Hanfpflanzen indem sie, in den ersten Wochen, ihre Wurzeln verstärkt ausbreiten und die  Nährstoffe in dem Substrat optimal ausnutzen. Das bedeutet aber auch, dass eine Düngung im organischen Anbau irgendwann erforderlich ist, sobald sich der Nahrungsspeicher im Boden verbraucht. In der Regel ist eine leichte Hilfsdüngung nach ca. 3 Wochen vegetative Entwicklung Standardvorgang. Danach kommt es, für die Beurteilung des weiteren Düngerprogramms, darauf an, wieviel Licht und Platz den Pflanzen zur Verfügung steht.  Bei der Anzucht in Töpfen empfehle ich eine möglichst große Topfgröße für die erwachsenen Sativa Pflanzen. Nach dem Umtopfen mit frischer Erde bekommen die Pflanzen auch ohne Düngung einen neuen Aufschwung in ihrer Enwicklung.

Während der Blüte fangen die Pflanzen an ihr individuelles Gesicht zu zeigen. Einige sind kürzer, andere länger, die Blüten wachsen in rundliche, kompakte Einheiten oder ihre Kalyxen gruppieren sich zu luftigere, schlanke Buds.  Aromatische Terpene verbreiten einen intensiven kräutrigen Geruch bei Berührung der Harzsekrete auf den Buds und kleinen Blättern. Eine würzige Frische mit erdigen Nuancen verleiht dem Aroma mehrere Variationen die sich von Pflanze zu Pflanze verschieden ausdrücken. Die Blütenspitzen enthalten wenig Blätter und bestehen hauptsächlich aus  großen, gerundeten Kalyxen. Wegen der besonders guten Lichtverteilung entlang der Triebe, bilden beide Sorten auf der ganzen Länge des Zweiges hochwertige Blüten. Obwohl nicht vollkommen Schimmelresistent, besitzen diese Sativa-Hybriden eine bemerkenswerte Abwehrkraft, die bei der längeren Blütezeit sicherlich von Nutzen ist. "Krystalica" und "Kalichakra" bevorzugen eine warme, lichterfüllte Umgebung und, wenn diese Umstände vorherrschen, belohnen sie AnbauerInnen mit einem mächtigen Ernteertrag. Im Innenanbau können diese Bedingungen (Licht und Wärme) leichter und im gleichbleibenden Mass erfüllt werden als im Gewächshaus oder Garten. Wegen ihrer enormen Grow-Leistung und längeren Blütezeit hat "Kalichakra" beim Erntegewicht einen Vorteil gegenüber der kleineren Tochter. Letzendlich kommt es darauf an, ob man sich für "Krystalica" vermischt mit den anderen drei Sorten interessiert, oder lieber "Kalichakra" als Einzelsorte bevorzugt und dafür ein paar Tage mehr Blütezeit in Kauf nihmt.

Durch ihre genetisch bedingte Robustheit zeigten sich die Testpflanzen bei einem Schädlingsbefall unbeeindruckt. Nur eine Pflanze schien von Spinnenmilben sehr bevorzugt zu sein - aber sie wuchs trotzdem ungestört weiter. Eine Abwehr, die Schädlinge absolut fern hält, besitzen die allermeisten Cannabis-Hybriden in der Regel nicht. Sie unterscheiden sich aber in der Art wie sie auf einen Befall reagieren und, ob die Schädlinge sich rasch vermehren können, oder  nicht. Zum Beispiel "White Russian" von Serious Seeds besitzt keinen wirksamen Stoff in ihrem biochemischen Haushalt um die Vermehrung der Spinnenmilben zu unterdrücken (trotzdem bleibt sie einer meiner Lieblingssorten). Bei "Krystalica" und "Kalichakra" scheint es ein Gegenmittel zu geben, welches die Pflanze erfolgreich einsetzt, um die Bevölkerungsexplosion der Spinnenmilben mindestens zu bremsen.

Im Vergleich zur "Shang High", beeindrucken "Krystalica"/"Kalichakra" viel schneller mit ihrer Harzentwicklung. Das liegt allerdings auch an der kürzeren Blütezeit. Während "Shang High" noch zwei Wochen länger blüht -  und in dieser Endphase richtig den Saft aufdreht -  sitzt du schon mit den ersten, getrockneten Klunkern auf der Terrasse und bestaunst die kristallenen Trichome mit deiner Lupe. Durch das eindrucksvolle Kalyx-Blatt-Verhältnis liegt der qualitative Wert des Erntegewichts sehr hoch. Das Maniküren ist auch ein Kinderspiel. Die besten Erträge bringen die Pflanzen, die am spätesten mit der Blüte aufhören, und das sind keine geringen Mengen! Nach dem Trocknen duften die Blüten intensiv kräutrig-herb in ihren Behältern. Der Genuss von "Krystalica"/"Kalichakra" führt zu einem starken, klaren Rausch der zu spaßigen oder geselligen Aktivitäten anregt. Die Muse für kreative Arbeit findet auch einen Antrieb, aber der Gedankenfluss wird in seiner logisch-nachvollziehbaren Struktur öfter unterbrochen. Viel eher neigt man dazu sich körperlich-energetischen Dingen, wie trommeln, tanzen oder Sex hinzugeben. Das High hat daher einen hohen sozialen, aktiven Charakter welches für alle Treffen und Party-Events richtig Stimmung aufkommen lässt. Tägliche Joints verringern die Wirkung weit weniger als bei anderen Sorten, so dass es nicht notwendig ist sich die Lungen voll zu qualmen um den gleichen Törn zu erzielen. Für heilende und anti-depressive Zwecke punkten beide Sorten durch ihre zuverlässige Stärke und mobilisierende Kraft. Die genaue Wirkung im medizinischen Anwendungsbereich ist aber noch nicht eingehend getestet worden aber dazu gibt es vielleicht in Zukunft mehr zu berichten.

Fazit

Im Grossen und Ganzen konnte ich nichts an dem Mutter-Tochter Team entdecken, was mich unangenehm überrascht hätte oder Schwierigkeiten bereitete. In der Kategorie "am meisten sativa", sind "Krystalica" und "Kalichakra" ein wertvoller Beitrag für den zunehmend bedeutsamen Eigenanbau im westlichen Kulturkreis. Mandala Seeds hat mit diesen Hanfkreuzungen eindrucksvoll bewiesen, dass die genetische Kombination von überschaubarer Blütezeit, Kraft, hohen Ertrag und Potenz nicht nur realisierbar - sondern auch bezahlbar ist! In Zusammenhang mit den anderen drei Sorten der Sammleredition, können sich Grower für ca. 50,- Euro diesen Spaß auch wirklich leisten. "Kalichakra" gibt es ebenfalls zum Schnäppchenpreis in Päckchen mit 10 Samen.

Vorteile:

hohes Kalyx-Blatt-Verhältnisgute Schimmelresistenzpflegeleicht, robust, Hitzebeständig Ertragreich  extrem schneller Wachstum in Hydrohohe THC-Toleranz Grenze